
- stilvolles Auftreten - Karl-Heinz Laube/pixelio.de
Sich angemessen zu präsentieren und von seiner besten Seite zu zeigen, ist erste Pflicht in eigener Sache. Mit stilvollem Auftreten wird die Würde anderer, aber auch die eigene geachtet. Dabei spielt nicht nur ein individueller Kleidungsstil eine Rolle, sondern der Gesamteindruck, also: Kleidung, Körperhaltung, Benehmen und Selbstdarstellung.
Ein positiver erster Eindruck schafft eine angenehme Grundhaltung. Vertrauen wird so schneller und leichter gefasst. Man ist geneigt, sich auf den anderen einzulassen. Ein negativer erster Eindruck bewirkt dagegen schnell das Gegenteil und macht alle weiteren Bemühungen schwierig. Es gilt: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
Eine Frage der Selbstdarstellung – der erste Eindruck
Die Gründe dafür, warum etwas als angenehm oder stilvoll oder unangenehm und stillos empfunden wird, danach haben zahlreiche Philosophen seit der Antike gesucht. Tatsache ist, dass jeder Mensch Takt, Rücksichtnahme und Höflichkeit anerkennt und selbst respektvoll behandelt werden möchte. Es ist wirklich so, den ersten Eindruck gibt es nur ein einziges Mal. Sei es beim Kennenlernen neuer Freunde, eines neuen Arbeitgebers oder einer neuen Firma. Die meisten Menschen bleiben bei dem Bild, das sie zu Anfang gewonnen haben.
Schon die ersten drei bis neun Sekunden beim Kennenlernen entscheiden über Sympathie oder Antipathie. Der erste Eindruck prägt das Bild des Gegenübers zu 90 Prozent – lange, bevor ein einziges Wort miteinander gesprochen worden ist. Der erste Eindruck entscheidet auch darüber, was jemanden zugetraut werden kann und was nicht.
Die verschiedenen Sinneseindrücke
Das Unterbewusstsein des Gegenübers registriert schnell und präzise verschiedenste Merkmale des anderen und dessen Auftreten und vergleicht diese Sinneseindrücke mit dem eigenen Befinden. Dazu zählen Aussehen, Kleidung, Körperhaltung, Blick, Mimik und Gestik, Körpergeruch, Stimmlage, Tonfall und Sprechmelodie. Ein harmonisches Gefühl entsteht, wenn die Daten gut zusammenpassen. Dann liegen beide Gegenüber auf der "gleichen Wellenlänge“. Solche unbewussten Abläufe sind tief im Menschen verwurzelt. Mit ein wenig Aufmerksamkeit können die Abläufe positiv beeinflusst werden.
Die richtigen Signale setzen
Wichtig ist es, die richtigen Signale zu setzen, so dass der erste Eindruck positiv ausfällt. Hilfreich ist es, die zu erwartende Situation vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen, den Gesprächsverlauf vorab durchzuspielen. So kann geistesgegenwärtig auf überraschend auftretende Situationen eingegangen werden und insgesamt mehr Selbstkontrolle erlangt werden.
Durch gezieltes mentales Training kann man sich positiv auf eine bevorstehende Begegnung oder ein bevorstehendes Ereignis einstimmen. Das schafft dann eine gute Grundhaltung. Mögliche Angst wird reduziert. Man wirkt gelöster und offener, was einen überzeugender wirken lässt und nicht zuletzt einen freundlichen Anstrich gibt.
Der Blickkontakt ist ganz wichtig
Untersuchungen haben ergeben, dass im positiven Fall der Blickkontakt immer wieder aufgenommen und nur kurz unterbrochen wird – beide Gesprächspartner haben Interesse an einem harmonischen Miteinander. Der Blick sollte offen, aber nicht bohrend oder starrend sein. Dauerhaftes Wegsehen wird mit Unaufrichtigkeit und Desinteresse in Verbindung gebracht. Lächeln wirkt immer entgegenkommend und bleibt jedem in guter Erinnerung. Wichtig ist, sich klar und verständlich zu äußern, keinesfalls zu nuscheln. Die Ausführungen können ruhig mit Gesten unterstützt werden. Im Rahmen versteht sich, nicht hektisch herumfuchteln. Die Hände sollten dabei geöffnet sein, daß heißt, die Handrücken zeigen in Richtung Boden oder Tisch.
Die Körpersprache
Durch die Körpersprache wird unbewusst das gesamte Verhalten des anderen beurteilt. Mit Menschenkenntnis und etwas Gespür werden in der Regel etwaige Unstimmigkeiten festgestellt. Es wird registriert, dass sich die ruhige, feste Stimme des Gegenübers mit seinem ängstlichen Blick widerspricht. Die seelische und körperliche Verfassung hängen so eng miteinander zusammen, dass in jedem Moment Mimik, Gestik und Körperhaltung unterschwellige Signale an die Umgebung aussenden. In der Körpersprache sollten möglichst viele Signale zusammen und nie einzeln betrachtet werden. Enthalten alle Signale ähnliche Informationen, entsteht ein harmonischer Eindruck von der betreffenden Person. Im Gespräch sind Nähe oder Distanz zum Gegenüber, körperliche Zuwendung oder Abwendung und die offene oder blockierende Körperhaltung von Bedeutung.
Das Territorium
Ein wichtiger Begriff der Körpersprache ist das Territorium. Für Menschen früherer Jahrhunderte war es überlebensnotwendig, ihr Territorium zu schützen und zu verteidigen. Auch heutiges Verhalten ist noch von den Vorstellungen des "eigenen Territoriums“ geprägt, allerdings geht es meist nicht mehr um die räumliche Abgrenzung, sondern um die gesellschaftliche Stellung.
Man unterscheidet vier Territorialzonen:
- Die erste Zone ist der eigene Körper, ein Bereich, der naturgemäß nur einem selbst gehört.
- Die zweite Zone ist für gute Umgangsformen die bedeutendste. Sie umfasst die Distanz. Das ist die Entfernung bis zum ausgestreckten Arm. Wer diese Distanz überschreitet, dringt unbewusst in die Intimsphäre des anderen ein. Das wird im Normalfall nur engen Freunden gestattet. Deshalb wird sich der Betroffene peinlich berührt fühlen, wenn etwa ein Geschäftspartner oder ein Passant in diesen Bereich vordringt.
- Das dritte Territorium umfasst den geschützten Raum, etwa Büro oder Wohnung. Tritt ein Kollege ohne anzuklopfen ins Büro ein und durchsucht den Schreibtisch, wird das als respektlos empfunden.
- Das vierte Territorium ist das "Jagdrevier“, nach heutiger Lebenweise die Stadt oder die Region, in der jemand arbeitet.
Die gesellschaftliche Stellung einer Person spiegelt sich in ihrem Raumverhalten wider. Wer offen und locker auftritt und dabei im Stehen, Sitzen oder beim Gehen viel Raum einnimmt, hält sich nicht nur für wichtig, sondern ist es auch und wird entsprechend anerkannt. Wer angespannt am Rand steht und wenig Raum beansprucht, signalisiert seinen untergeordneten Rang.
Bildnachweis: © Karl-Heinz Laube / pixelio.de
